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Schritt nach vorn
PSA Fuß- und Knieschutz

Foto: Dominik Buschardt
Hersteller von Sicherheitsschuhen erweisen sich als unübertroffene Erfinder von immer neuen Marketingbegriffen, die häufig eher für Verwirrung als für Klarheit sorgen. Dennoch lassen sich Trends identifizieren, die mehr sind als Wortgeklingel.
Text: Franz Roiderer (Redaktion)
AUF DEN PUNKT
- Neue Materialien sollen den Zielkonflikt von Tragekomfort und Schutzniveau lösen
- Anatomisch geformte Fußbetten und Sohlenkonstruktionen können die Ergonomie weiter verbessern
- Nachhaltigkeit in Produktion und Materialverwendung spielt eine zunehmend größere Rolle
Ein zentraler Aspekt für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen ist der Fußschutz, insbesondere durch Sicherheitsschuhe. Die Entwicklung von Sicherheitsschuhen hat in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Moderne Materialien wie ultraleichte Verbundstoffe und atmungsaktive Hightech-Gewebe sorgen für erhöhten Tragekomfort und gleichzeitig für maximalen Schutz.
Ein weiterer Schwerpunkt der Schuhentwicklung liegt auf der Ergonomie. Die Hersteller setzen vermehrt auf anatomisch geformte Fußbetten und flexible Sohlenkonstruktionen, die natürliche Bewegungsabläufe unterstützen. Ziel ist es, das Risiko von Fußfehlstellungen und daraus resultierenden Beschwerden zu minimieren. Zudem werden atmungsaktive Materialien eingesetzt, die für ein angenehmes Fußklima sorgen und das Wohlbefinden der Träger steigern sollen.
Nachhaltigkeit spielt auch im Bereich der Sicherheitsschuhe eine zunehmende Rolle. Auf der „Arbeitsschutz Aktuell“ 2024 in Stuttgart waren Modelle zu sehen, die aus recycelten Materialien gefertigt sind, ohne dabei Kompromisse bei Sicherheit und Komfort einzugehen. Einige Hersteller setzen auf biologisch abbaubare Komponenten und umweltfreundliche Produktionsverfahren, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
Personalisierte Anpassung: Das „FIT-DAY“-Konzept von Atlas
Viele Schuhhersteller bieten auf ihren Webseiten Produktberatung für die Auswahl des passenden Schuhs an, beispielsweise je nach Branche oder dem gewünschten Schutzniveau. Einen Schritt weiter geht Atlas aus Dortmund: Das „FIT-DAY“-Konzept zielt darauf ab, die Fußgesundheit der Mitarbeiter direkt im Betrieb zu fördern. Durch den Einsatz von 3D-Scantechnologie wird vor Ort eine exakte Größen- und Weitenermittlung durchgeführt. Basierend auf diesen Daten können individuelle Einlegesohlen ausgewählt werden, die den spezifischen Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen.
Barfußgefühl ohne Einbußen bei der Sicherheit
Ein Trend, der aus der Welt der Alltagsschuhe kommt, hat mittlerweile den Markt für Sicherheitsschuhe erreicht: die sogenannten Barfußschuhe. Sie sollen im Vergleich zu herkömmlichen Schuhen dem Barfußlaufen oder -gehen möglichst nahe kommen. Definiert werden sie als Schuhe, die die natürliche Bewegung des Fußes aufgrund ihrer hohen Flexibilität, des geringen Gefälles zwischen Ferse und Zehen, ihres geringen Gewichts sowie des Fehlens von Bewegungskontroll- und Stabilitätsvorrichtungen nur minimal beeinträchtigen.
Barfußschuhe bieten dem Fuß dadurch mehr sensorischen Kontakt mit dem Boden und gleichzeitig einen gewissen Schutz vor Bodengefahren und -bedingungen. Hersteller wie Baak mit dem Modell „Phoenix“ oder Elten mit den „Barefootern“ wollen das Gefühl des Barfußlaufens mit den erforderlichen Schutzfunktionen kombinieren. Der „Phoenix“ beispielsweise verfügt über eine flexible Sohle ohne Sprengung, eine breite Zehenbox, die natürliche Abrollbewegungen ermöglicht, und erfüllt dennoch die Sicherheitsstufe S31.
Das „Extraguard“-Obermaterial
Eine bemerkenswerte Innovation ist die „Extraguard“-Obermaterialtechnologie des US-amerikanischen Polymerproduzenten W. L. Gore & Associates, der auch das bekannte Textilmaterial Gore-Tex herstellt. „Extraguard“ soll die Vorteile von robusten Obermaterialien mit denen von leichten Textilien kombinieren und bietet somit eine Verbesserung in Bezug auf Schutz, Komfort und geringen Pflegeaufwand. Die „Extraguard“-Technologie besteht aus drei Lagen:
- Die äußere Lage ist äußerst abriebfest und robust.
- Die funktionale Zwischenschicht variiert in der Dicke und schützt den Fuß vor Stoß- und Schlagbelastungen.
- Die innovative Innenlage kann mit der Gore-Seam-Technologie versiegelt werden, um das Eindringen von Feuchtigkeit über die Nähte zu verhindern.
Diese Konstruktion soll dafür sorgen, dass die Schuhe auch nach monatelanger Nutzung unter anspruchsvollen, nassen Bedingungen robust und komfortabel bleiben. Zudem sind sie leichter als herkömmliche Materialien, nehmen nur minimal Feuchtigkeit auf und trocknen schnell, was den Tragekomfort erheblich steigert. Die „Extraguard“-Technologie wird unter anderem von den Schuhherstellern Steitz Secura, Elten und Atlas eingesetzt.
Ausblick
Die Entwicklungen im Bereich Fußschutz zeigen deutlich, dass der Trend zu individuell angepassten, komfortablen und gleichzeitig umweltfreundlichen Sicherheitsschuhen geht. Technologische Innovationen und ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit werden die Branche auch in Zukunft prägen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren gleichermaßen von diesen Fortschritten, da sie zu einer gesünderen und produktiveren Arbeitsumgebung beitragen. Fußschutz ist längst mehr als ein notwendiges Übel – er ist ein integraler Bestandteil moderner Arbeitssicherheitskonzepte, die Komfort, Gesundheit und Umweltbewusstsein miteinander verbinden.
1 Der „Phoenix“ ist zertifiziert nach der EN-Norm 20345 mit der Schutzklasse S3S FO HRO SR ESD.