Sichere Schnitte

Überall, wo mit scharfen und spitzen Gegenständen hantiert wird, ist das Risiko für Stich- und Schnittverletzungen groß – sei es in der metallverarbeitenden Industrie, in der die Beschäftigten oft mit Metallen und Spänen zu tun haben; sei es in der holzverarbeitenden Branche oder der Forstwirtschaft, wo jeweils Sägen und Äxte zu den Standardwerkzeugen gehören. Selbstverständlich drohen auch in der Gastronomie oder in medizinischen Berufen Schnitt- oder Stichverletzungen. Oft handelt es sich um kleine, vergleichsweise harmlose Verletzungen. Doch auch diese können zu Infektionen führen, wenn Schmutz oder andere Giftstoffe in die Wunde gelangen. Der beste Schnittschutz ist es deshalb, das Risiko einer Schnitt- oder Stichverletzung von vorneherein so weit wie möglich zu reduzieren.

Schnittschutz nach dem TOP-Prinzip

Das geht am besten mit einer Gefährdungsbeurteilung. Mit dieser werden alle potenziellen Gefährdungen ermittelt und anschließend entsprechende Schnittschutzmaßnahmen abgeleitet.

Der beste Schnittschutz vor Schnitt- oder Stichverletzungen besteht darin, keine scharfen oder spitzen Gegenstände einzusetzen, etwa indem andere Arbeitsverfahren angewendet werden. In vielen Arbeitsbereichen ist das aber nicht möglich. Ein Schreiner wird ohne Kreissäge nur schwer arbeiten können, eine Köchin ist auf ihre Messer angewiesen und eine Chirurgin kann ohne Skalpell nicht operieren. In solchen Fällen leiten sich die Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip ab. Das heißt, zunächst kommen technische Schutzmaßnahmen zum Einsatz. Die Kreissäge in der Schreinerei muss dann zum Beispiel mit Schutzvorrichtungen ausgestattet werden, die verhindern, dass im laufenden Betrieb ins Sägeblatt gegriffen werden kann.

Zu den organisatorischen Schutzmaßnahmen zählen die entsprechenden Unterweisungen in der sicheren Handhabung der Arbeitsgeräte. Aber auch Maßnahmen, die den Arbeitsablauf so ändern, dass scharfe oder spitze Gegenstände seltener genutzt werden müssen. Auch das senkt das Verletzungsrisiko.

Schnittschutz-Prävention

Doch oft genug bleibt nach Anwendung technischer oder organisatorischer Schnittschutzmaßnahmen ein Restrisiko. Dann helfen nur noch persönliche Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Schnittschutzhandschuhe, die die Hände vor den scharfen Klingen schützen. Diese Schnittschutzhandschuhe sind Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Die  DIN EN 388, 420 und 1082 beschreiben die Anforderungen an die Handschuhe. Als Faustregel gilt: Je höher die Ziffer unter dem Piktogramm auf dem Handschuh, desto höher die Schutzwirkung.

Neben dem Vorgehen nach dem TOP-Prinzip empfiehlt es sich auch, vergangene Arbeitsunfälle und sogenannte Beinaheunfälle zu analysieren. Die Analyse hilft oft, mögliche Fehlerquellen und Schwächen in der Arbeitsschutzorganisation zu identifizieren. Selbstverständlich sollten Firmen darauf achten, dass nur mit für den Arbeitsanlass angemessenen sowie regelmäßig geprüften und gewarteten Schneide- und Stichwerkzeugen gearbeitet wird. Regelmäßige Arbeitsplatzbegehungen helfen, scharfe Kanten zu identifizieren. 

Erste Hilfe bei Schnittverletzungen

Wenn es trotz aller präventiven Schnittschutzmaßnahmen zu einer Schnitt- oder Stichverletzung kommt, muss umgehend Erste Hilfe geleistet werden. Dafür muss die Erste Hilfe im Betrieb organisiert sein.

Bei kleineren Schnittverletzungen gilt: Die Wunde zunächst ein wenig ausbluten lassen, damit Keime herausgespült werden können. Ist die Wunde stark verschmutzt, unter kaltes Leitungswasser halten. Anschließend die Wunde mit einem kleinen Verband oder einem Pflaster abdecken. Bei tieferen, stark blutenden Wunden sollte man zunächst versuchen, die Blutung zu stoppen und anschließend einen Druckverband anlegen. Gleichzeitig sollte der Notarzt gerufen werden.

Ein Artikel von
Falk Sinß

18. März 2022

Kategorie

Wissen